
Wussten Sie, dass eine erfolgreiche Ruhestandsplanung idealerweise 10 bis 15 Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn starten sollte? Ohne diese Planung überlassen Sie wichtige finanzielle Faktoren dem Zufall und riskieren Ihren gewohnten Lebensstandard im Alter.
Deshalb zeigen wir Ihnen in diesem Ratgeber Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Ausgaben im Ruhestand kontrollieren. Sie erfahren, wie Sie Ihre finanzielle Situation analysieren, ein realistisches Budget erstellen und die Rentenlücke schließen. Außerdem stellen wir Ihnen praktische Tools wie Ruhestandsplanung Rechner und Excel-Vorlagen vor sowie wann eine professionelle Ruhestandsplanung Beratung sinnvoll ist.
Schritt 1: Ihre finanzielle Ausgangssituation verstehen
Das Fundament Ihrer Ruhestandsplanung steht und fällt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Viele Menschen kennen ihre monatlichen Ausgaben nicht im Detail und unterschätzen deshalb ihren tatsächlichen Finanzbedarf im Alter. Nur wenn Sie Klarheit über Ihre Einkommenssituation, Ausgaben und Vermögenswerte haben, lassen sich die richtigen Weichenstellungen vornehmen.
Erfassung Ihrer aktuellen Einnahmen
Notieren Sie zunächst Ihr monatliches Nettoeinkommen. Erfassen Sie dabei alle Einkünfte, die Ihnen zufließen. Neben Ihrem Gehalt zählen dazu Boni, Provisionen und andere regelmäßige Zahlungen. Falls Sie bereits Mieteinnahmen aus Immobilien erzielen oder Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden beziehen, gehören diese ebenfalls in die Aufstellung.
Diese vollständige Erfassung bildet die Basis, um später realistisch einzuschätzen, welche Einkommenslücke im Ruhestand entsteht. Bedenken Sie dabei, dass Sie üblicherweise 80 bis 90 Prozent Ihres letzten Lohns benötigen, um den vorherigen Lebensstandard ohne Abstriche halten zu können.
Auflistung Ihrer monatlichen Ausgaben
Die Ausgabenseite erfordert besondere Sorgfalt. Nur die wenigsten wissen ganz genau, wie viel sie jeden Monat wofür ausgeben. Teilen Sie Ihre Ausgaben in feste und variable Kategorien ein. Zu den festen Kosten gehören Miete, Versicherungen und regelmäßige Abbuchungen. Variable Ausgaben umfassen Freizeit, Einkäufe und spontane Anschaffungen.
Die sicherste Methode zur Erfassung aller regelmäßigen Abbuchungen bietet die Analyse Ihrer Kontoauszüge der letzten 3 Monate. Holen Sie sich diese Auszüge aus Ihrem Online-Banking oder in der Filiale. Markieren Sie alle Abbuchungen, die regelmäßig auftauchen, und notieren Sie Betrag, Empfänger sowie Zahlungsrhythmus. Rechnen Sie dabei jährliche Kosten auf monatliche Beträge um.
Ihre monatlichen Ausgaben sollten folgende Posten berücksichtigen:
- Wohnen: Miete, Nebenkosten, Strom, Gas, Heizung
- Versicherungen: Krankenversicherung, Haftpflicht, weitere Policen
- Mobilität: Auto, Benzin, öffentliche Verkehrsmittel, KFZ-Versicherung
- Lebensmittel und Haushalt: Einkäufe, Drogerieartikel
- Kommunikation: Telefon, Internet, Rundfunkbeitrag
- Freizeit und Hobbys: Restaurants, Reisen, Mitgliedschaften
- Kleidung: Bekleidung und Schuhe
- Steuern: Einkommensteuer, Grundsteuer
Darüber hinaus fallen größere Anschaffungen wie Möbel, Reparaturen oder Modernisierungen an. Eine Erhebung zeigt, dass Wohnen, Auto, Lebensmittel und Versicherungen in einem durchschnittlichen deutschen Rentner-Haushalt mehr als die Hälfte aller Ausgaben ausmachen. Führen Sie parallel ein Monats- und ein Jahreshaushaltsbuch, da manche großen Posten wie Versicherungen jährlich anfallen.
Bewertung Ihres vorhandenen Vermögens
Erstellen Sie eine Aufstellung aller Vermögenswerte, die Sie besitzen. Dazu zählen Immobilien mit ihrem aktuellen Marktwert, Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Fonds sowie Bankguthaben auf Spar- und Festgeldkonten. Berücksichtigen Sie außerdem den Rückkaufswert von Lebensversicherungen und anderen Policen.
Ziehen Sie Ihre Schulden von dieser Summe ab. Dazu gehören Immobiliendarlehen, Kredite oder andere Verbindlichkeiten. Auf diese Weise erhalten Sie Ihr Nettovermögen, das Ihnen tatsächlich zur Verfügung steht.
Diese systematische Erfassung Ihrer finanziellen Ausgangssituation schafft die Grundlage für alle weiteren Schritte. Erst wenn Sie wissen, wo Sie stehen, können Sie Ihre Rentenlücke berechnen und gezielt Strategien entwickeln.
Schritt 2: Ein realistisches Ruhestands-Budget erstellen
Nachdem Sie Ihre aktuelle finanzielle Situation erfasst haben, folgt nun der entscheidende Schritt: die Erstellung eines realistischen Budgets für Ihren Ruhestand. Viele gehen davon aus, dass sie mit deutlich weniger Geld auskommen werden. Tatsächlich benötigen Sie zwischen 80 und 85 Prozent Ihres letzten Nettogehalts, um Ihren Lebensstandard zu halten. Der früher oft genannte Richtwert von 70 Prozent gilt längst als überholt, da die Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Rentner konsumfreudiger leben als noch vor einigen Jahren.
Grundlegende Lebenshaltungskosten planen
Mit dem Renteneintritt verändern sich Ihre Ausgaben grundlegend. Einige Kosten sinken stark oder entfallen komplett. Sie zahlen nicht mehr in die gesetzliche Rentenkasse ein, Riester- oder Rürup-Beiträge entfallen ebenso wie Ausgaben für Arbeitsbekleidung. Ihre Transportkosten reduzieren sich durchschnittlich um die Hälfte, da der tägliche Arbeitsweg wegfällt. Falls Sie Wohneigentümer sind und Ihre Hypothek getilgt haben, entfallen monatliche Kreditraten.
Allerdings steigen andere Ausgaben oder bleiben konstant. Bei Nahrungs- und Genussmitteln verhält es sich differenziert: Zwar entfallen Ausgaben für auswärtiges Essen am Arbeitsplatz, doch werden diese oft durch häufigere Treffen im Freundeskreis oder mit der Familie ersetzt. Ihre Energiekosten steigen, weil Sie mehr Zeit zu Hause verbringen statt acht Stunden bei der Arbeit. Die Wohnkosten sinken nicht pauschal im Rentenalter, hier müssen Sie Ihre individuelle Situation einbeziehen. Planen Sie einen Umzug in eine kleinere Wohnung? Entscheiden Sie sich für altersgerechtes Wohnen? Wohneigentümer sollten das Hausgeld berücksichtigen, das durchschnittlich knapp 4 Euro pro Quadratmeter und Monat beträgt. Je nach Immobilie kann dieser Betrag zwischen der Hälfte und dem Doppelten dieses Durchschnittswerts liegen.
Gesundheits- und Pflegekosten einkalkulieren
Die Gesundheitskosten nehmen mit einer höheren Lebenserwartung und der besseren medizinischen Versorgung deutlich zu. Dieser Posten entwickelt sich zu einem der größten Ausgabenblöcke im Alter. Vor allem gegen Ende des Lebens steigen Gesundheitskosten exponentiell an und belaufen sich ab dem 95. Lebensjahr auf durchschnittlich 3000 Franken im Monat.
Die Pflegekosten stellen viele Seniorinnen und Senioren vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Pflegebedürftige müssen in Deutschland durchschnittlich 3245 Euro pro Monat aus eigener Tasche für einen Heimplatz bezahlen. In der Schweiz liegen die monatlichen Beiträge zwischen 6000 und 8000 Franken, in teureren privaten Heimen mit überdurchschnittlichem Komfort manchmal noch höher. Ein Pflegeheim kann sogar bis zu 10000 Franken pro Monat kosten, wobei die Bewohner den Großteil selbst zahlen.
Da die Ausgaben von vielen Faktoren wie der Lebensdauer und der Schwere einer Erkrankung abhängen, empfiehlt sich ein separat zurückgelegter Sparbetrag. Privat Krankenversicherte sollten beachten, dass die Beiträge im Alter nicht sinken, sondern kräftig steigen. Der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 639,38 Euro monatlich.
Budget für Freizeit und Hobbys festlegen
Besonders in den ersten Jahren nach der Pensionierung ist der finanzielle Bedarf deutlich höher als später. Planen Sie hierfür ein Budget ein, damit Sie sich Ihre größten Wünsche erfüllen können. Endlich haben Sie Zeit für langesehnten Sportkurse, Konzertbesuche oder neue Hobbys. Diese vermehrten Unternehmungen schlagen natürlich extra zu Buche. Reisen in ferne Länder lohnen sich im Ruhestand erst richtig, da viel Zeit bleibt, um Ziele zu erkunden.
Eine Forsa-Umfrage ergab, dass 85 Prozent der Seniorinnen und Senioren ab 75 Jahren einem Hobby nachgehen. Am häufigsten genannt wurden Lesen, Wandern beziehungsweise Spazierengehen, Sport und Gartenarbeit. Viele dieser Aktivitäten verursachen laufende Kosten für Mitgliedschaften, Kurse oder Ausrüstung. Im Laufe des Ruhestands und mit dem Älterwerden wird sich dieser Posten jedoch wieder minimieren.
Notfallreserven berücksichtigen
Auch wenn es Einsparpotenzial gibt, sollten Sie Ihre Ausgaben immer großzügiger berechnen. Ein Puffer schützt vor hohen Kosten ungeplanter Anschaffungen oder Ausgaben im Krankheitsfall. Achten Sie darauf, Ihr Budget nicht zu knapp zu bemessen und lieber realistisch als idealistisch zu denken. Größere Anschaffungen wie der Kauf eines neuen Autos, Renovationen am Eigenheim oder zahnärztliche Behandlungen müssen Sie unter Umständen unerwartet finanzieren können.
Planen Sie Puffer für die Teuerung ein und halten Sie einen Notgroschen bereit, um unerwartete Ausgaben decken zu können. Die vorausschauende Planung der Lebenshaltungskosten schützt Sie vor bösen Überraschungen und sichert Ihren Lebensstandard auch in den Jahren des Ruhestands.
Schritt 3: Alle Einkommensquellen im Ruhestand identifizieren
Die Identifikation aller Einkommensquellen bildet das Gegenstück zu Ihrem Ausgabenbudget. Nur wenn Sie sämtliche Rentenansprüche und Einkünfte kennen, können Sie berechnen, ob Ihr Geld im Ruhestand ausreicht oder ob eine Lücke klafft.
Gesetzliche Rente berechnen
Ihre gesetzliche Rente entnehmen Sie der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Diese erhalten Sie ab dem 27. Lebensjahr automatisch zugeschickt, sofern Sie mindestens fünf Jahre Beiträge eingezahlt haben. Die Renteninformation zeigt Ihnen die Höhe Ihrer zu erwartenden Altersrente bei regulärem Renteneintritt.
Für präzisere Berechnungen stellt die Deutsche Rentenversicherung mehrere Online-Rechner bereit. Mit diesen ermitteln Sie den frühestmöglichen oder regulären Rentenbeginn sowie die Rentenhöhe unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien. Die Rentenformel berücksichtigt Ihre Rentenpunkte, den Zugangsfaktor und den aktuellen Rentenwert. Verändern Sie die Werte im Rechner und beobachten Sie direkt, wie sich das auf Ihre Rentenhöhe auswirkt.
Ein besonders nützliches Instrument ist die Digitale Rentenübersicht unter www.rentenuebersicht.de. Dieses Portal führt Ihre Altersvorsorge-Informationen aus allen drei Säulen zusammen und bietet Ihnen einen Gesamtüberblick über Ihre individuell erworbenen Ansprüche. Der Zugang erfolgt über die Online-Funktion des elektronischen Personalausweises und Ihre individuelle Steuer-ID. Die Nutzung ist kostenfrei.

Betriebliche Altersvorsorge ermitteln
Ihre betriebliche Altersvorsorge informiert Sie ebenfalls regelmäßig über die zu erwartenden Leistungen. Prüfen Sie Ihre Unterlagen zu Direktversicherungen, Pensionskassen oder anderen Durchführungswegen der betrieblichen Altersvorsorge.
Bei der Entgeltumwandlung haben Sie Beiträge aus Ihrem Bruttogehalt in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt. Die Beiträge sind bis zu einem Betrag von maximal 338 Euro monatlich von der Sozialversicherung befreit. Das entspricht 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung. Steuerfrei können Sie jährlich bis zu 8112 Euro einzahlen, was 676 Euro monatlich entspricht.
Arbeitgeber sind seit 2022 verpflichtet, einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zu leisten. Diese Regelung gilt auch für Altverträge vor 2019. Bedenken Sie jedoch, dass auf die Betriebsrente später Steuern und Sozialabgaben anfallen. In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es allerdings einen Freibetrag, sodass nicht die volle Summe belastet wird.
Private Rentenversicherungen und Kapitalerträge
Private Rentenversicherungen ergänzen Ihre gesetzliche Rente und helfen dabei, Ihren Lebensstandard im Alter zu halten. Bei privaten Rentenversicherungen ohne staatliche Förderung zahlen Sie die Beiträge aus dem bereits versteuerten Nettoeinkommen. Dafür wird die spätere lebenslange Rente steuerlich begünstigt behandelt.
Sie müssen lediglich den sogenannten Ertragsanteil versteuern. Je später die private Rente beginnt, desto niedriger fällt dieser steuerpflichtige Ertragsanteil aus. Bei Rentenbeginn mit 65 Jahren beträgt der Ertragsanteil 18 Prozent, bei Rentenbeginn mit 67 Jahren 17 Prozent und bei Rentenbeginn mit 68 Jahren 16 Prozent. Beispielsweise sind bei einer privaten Rente von 500 Euro monatlich ab 65 Jahren jährlich nur 1080 Euro steuerpflichtig.
Berücksichtigen Sie darüber hinaus Kapitalerträge aus Wertpapieren, Zinsen oder Dividenden. Diese bilden eine zusätzliche Einkommensquelle im Ruhestand.
Zusätzliche Einnahmequellen prüfen
Viele Rentner bleiben erwerbstätig und erzielen dadurch weitere Einkünfte. Gehälter oder Honorare aus Teilzeitarbeit, Beratungsverträgen oder projektbezogener Tätigkeit zählen zu Ihren Einnahmen. Auch Minijobs auf 603-Euro-Basis bringen zusätzliches Geld.
Falls Sie Immobilien besitzen, fließen Mieteinnahmen als regelmäßige Einkünfte. Gleichzeitig sollten Sie prüfen, ob Auszahlungen aus Lebensversicherungen oder Erträge aus Anlagen zu erwarten sind. Alle diese Einkommensquellen addieren Sie zu Ihren Rentenansprüchen, um Ihr Gesamteinkommen im Ruhestand zu ermitteln.
Schritt 4: Die Rentenlücke berechnen und analysieren
Jetzt stellen Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben direkt gegenüber. Dieser Schritt zeigt Ihnen präzise, ob Ihre erwarteten Einkünfte im Ruhestand ausreichen oder ob eine Versorgungslücke entsteht. Die Rentenlücke bezeichnet die Differenz zwischen der Summe, die Sie für den Lebensunterhalt im Ruhestand brauchen, und Ihren Einnahmen durch die gesetzliche Rente.
Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ermitteln
Die Berechnung Ihrer Rentenlücke erfolgt mit einer einfachen Formel: Rentenlücke = Finanzbedarf im Alter minus Einkommen aus der gesetzlichen Altersvorsorge. Um Ihren gewohnten Standard aus dem Arbeitsleben zu halten, brauchen Sie im Ruhestand ungefähr 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens. Für die reine Lebenshaltung würden in den meisten Fällen 50 Prozent des Nettos ausreichen, doch um ein bisschen Geld für Hobbys und Freizeit ausgeben zu können, werden Sie eher 65 Prozent Ihres letzten Nettogehalts benötigen.
Bedenken Sie dabei den großen Unterschied zwischen Brutto- und Nettoeinkünften. Die Einkünfte müssen versteuert werden, von Renten werden Sozialabgaben abgezogen. Damit können die Nettoeinkünfte 20 bis 30 Prozent niedriger ausfallen als die Bruttoangaben. Von der gesetzlichen Rente gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Pflichtversicherte bezahlen 2026 insgesamt 8,75 Prozent für die Krankenversicherung und 4,2 Prozent für die Pflegeversicherung.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies: Von einer Bruttorente von 1.800 Euro werden 157,50 Euro für die Krankenversicherung und 75,60 Euro für die Pflegeversicherung abgezogen. Ausgezahlt wird eine Rente von 1.566,90 Euro. Zudem muss die gesetzliche Rente zum Teil versteuert werden, wobei der zu versteuernde Anteil vom Jahr des Rentenbeginns abhängt. Bei Rentenbeginn 2026 sind 16 Prozent der Rente steuerfrei. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro für Ledige und 24.696 Euro für Verheiratete.
Inflation und steigende Kosten berücksichtigen
Die Inflation macht vielen Menschen bei der deutschen Ruhestandsplanung einen Strich durch die Rechnung. Sie verringert die Kaufkraft des Geldes und erhöht den Einkommensbedarf. Langfristig fällt die Inflation stark ins Gewicht: Die Ausgaben steigen viel stärker als geplant, ohne dass dem automatisch höhere Einnahmen gegenüberstehen. Steigen die Einkünfte langsamer als die Inflation, wächst die Rentenlücke von Jahr zu Jahr.
Für Ihre Berechnungen nehmen Sie am besten eine Rentensteigerung von 1,7 Prozent pro Jahr an. Genauso werden aber auch Ihre Ausgaben höher ausfallen als heute, selbst wenn Sie Ihren Lebensstandard nicht verändern. Für die Inflation können Sie einen Wert von zwei Prozent pro Jahr annehmen. Das ist der von der Europäischen Zentralbank ausgewiesene Zielwert.
Eine Rente von 100.000 Franken verliert durch die Inflation kontinuierlich an Kaufkraft. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent entspricht sie nach 15 Jahren nur noch 74.300 Franken, nach 25 Jahren 61.000 Franken und nach 35 Jahren lediglich 50.000 Franken. Bei einer höheren Inflationsrate von 4 Prozent beschleunigt sich dieser Prozess erheblich: Nach 35 Jahren bleiben nur noch 25.300 Franken Kaufkraft übrig. Gesetzliche und betriebliche Renten gleichen die Teuerung oft nur teilweise aus. In manchen Jahren gibt es Null-Runden, die die Renten real schrumpfen lassen.
Ruhestandsplanung Rechner nutzen
Verschiedene Online-Rechner unterstützen Sie bei der Berechnung Ihrer Rentenlücke. Der extraETF Rentenlückenrechner bietet eine praktische Möglichkeit, Ihre Versorgungslücke zu ermitteln. Ebenso hilft der Rentenlücke-Rechner des Deutschen Instituts für Altersvorsorge dabei, neben dem Nettoeinkommen auch Angaben zum geplanten Renteneintrittsalter und weiteren Faktoren wie Inflation oder prozentualen Gehaltssteigerungen zu berücksichtigen.
Allerdings liefert ein Ruhestandsplanung Rechner nur eine Orientierung, aber keine verbindliche Prognose. Rentenanpassungen, Inflation, Steuerrecht, Kapitalmarktrenditen, Pflegekosten und persönliche Lebensereignisse können die tatsächliche Versorgung deutlich verändern. Die Berechnung der Rentenlücke kann aufgrund verschiedener Faktoren zum Teil schwer abzuschätzen sein. Dazu gehören neben der Entwicklung von Inflation, Steuern und Zinsen auch der Finanzbedarf im Alter oder die eigene Lebenserwartung.
Deshalb sollten Sie einen großzügigen finanziellen Puffer in Ihre Ruhestandsplanung einbauen. Eine einmal berechnete Rentenlücke ist keine feste Größe, sondern eine Momentaufnahme mit begrenzter Aussagekraft. Ruhestandsplanung ist kein einmaliger Termin, sondern ein fortlaufender Prozess.
Schritt 5: Strategien zur Ausgabenkontrolle entwickeln
Wenn Sie Ihre Rentenlücke kennen, müssen Sie konkrete Maßnahmen ergreifen, um diese zu schließen oder zumindest zu verringern. Gezielte Strategien zur Ausgabenkontrolle helfen Ihnen dabei, Ihr Budget einzuhalten und finanzielle Engpässe zu vermeiden.
Ausgaben kategorisieren und priorisieren
Unterscheiden Sie zwischen fixen und variablen Ausgaben und teilen Sie diese in Kategorien ein. Fixkosten wie Miete, Versicherungen und Mobilität fallen regelmäßig an und lassen sich kurzfristig kaum beeinflussen. Variable Kosten hingegen schwanken von Monat zu Monat und bieten Ihnen mehr Kontrolle. Hier liegt das größte Einsparpotenzial.
Ohne Kategorien verlieren Sie schnell den Überblick. Die meisten Menschen unterschätzen ihre Ausgaben um 30 bis 40 Prozent. Wer es mit der Budgetplanung ernst meint, darf pingelig sein. Ein grobes Budget gibt zwar einen Überblick, ist aber im Alltag nahezu nutzlos. Um Ausgaben zu limitieren und Sparziele zu erreichen, brauchen Sie ein realistisches, durchdachtes und genaues Budget.

Einsparpotenziale identifizieren
Bei den größten Ausgabenposten setzen Sie am wirkungsvollsten an. Beispielsweise sparen Sie bei Lebensmitteln bis zu 80 Euro monatlich durch Eigenmarken statt Markenprodukte, Wochenpläne mit Einkaufszettel und die Nutzung von Angeboten. Discounter wie Aldi oder Lidl bieten 20 bis 30 Prozent Ersparnis bei gleicher Qualität.
Beim Strom und Gas lassen sich durch Anbieterwechsel über Vergleichsportale bis zu 60 Euro monatlich sparen. Viele Anbieter zahlen zudem Wechselprämien zwischen 50 und 150 Euro. Folglich profitieren Sie bei jährlichem Wechsel dauerhaft von Neukundenrabatten.
Möglicherweise genügt im Ruhestand ein Auto, und das andere kann abgeschafft werden. Das spart Unterhalts-, Benzin- und Garagenkosten. Beim Einkauf lässt sich oft einiges sparen, ohne den gewohnten Standard stark senken zu müssen.
Wohnkosten optimieren
Wohnkosten gehören zu den größten Belastungen im Ruhestand. Überlegen Sie, ob die Wohnsituation den Bedürfnissen und Prioritäten weiterhin entspricht und ob sie finanziell tragbar ist. Unter Umständen ist eine kleinere, pflegeleichtere und günstigere Wohnung sinnvoller als das Haus, das Sie einmal mit der ganzen Familie bewohnt haben.
Vielen Rentnern fehlt das Geld, um die Miete zu begleichen. Betroffene müssen die Differenz zwischen den plafonierten Mietkosten und der effektiven Miete beim Essen und den Kleidern einsparen. Vielfach verzichten Senioren auch auf soziale Aktivitäten oder verschulden sich.
Versicherungen überprüfen und anpassen
Nicht alle Versicherungen sind unbedingt nötig. Es lohnt sich nicht, Bagatellrisiken zu versichern. Überflüssige Versicherungen wie Brillenversicherung, Handyversicherung oder Reisegepäckversicherung können Sie kündigen. Prämien sparen Sie auch, indem Sie Selbstbehalte erhöhen oder zu einem günstigeren Versicherer wechseln.
Wer nicht mehr täglich zur Arbeit fährt, sollte die angegebene Jahresfahrleistung in der KFZ-Versicherung überprüfen und gegebenenfalls reduzieren. Oft wird dafür ein Beitragsrabatt gewährt. Auch die private Haftpflichtversicherung kann günstiger werden, da ältere Menschen statistisch seltener Haftpflichtschäden verursachen.
Bei einem Umzug in eine kleinere Wohnung sinkt der Wert des versicherten Hausrats. Durch eine angepasste Deckungssumme in der Hausratversicherung sparen Sie Beiträge. Nicht mehr benötigte berufliche Versicherungen wie Berufshaftpflicht oder Berufsrechtsschutz gehören ebenfalls auf den Prüfstand.
Ausgabendisziplin im Alltag
Flexibilität ist bei der Budgetierung wichtig, denn das Leben verläuft selten nach Plan. Überprüfen Sie Ihr Budget regelmäßig. Am besten ist ein fixer Termin alle zwei oder drei Monate, dadurch erkennen Sie frühzeitig, ob eine Anpassung nötig ist.
Haben Sie durch Einsparungen ein Plus am Monatsende, teilen Sie Ihr Erspartes nach der bewährten 3-Töpfe-Strategie auf:
- Notfallfonds: Füllen Sie zuerst einen Betrag von 1.000 bis 2.000 Euro für unerwartete Ausgaben wie defekte Waschmaschine, Zahnarzt oder Auto-Reparatur an
- Wunsch-Sparen: Sparen Sie gezielt für größere Anschaffungen wie Urlaub, neuen Fernseher oder Geschenke für Enkel
- Extra-Budget: Gönnen Sie sich etwas Schönes wie Restaurant, Konzert oder Kurztrip, um die Lebensqualität zu steigern
Schritt 6: Umsetzung und laufende Überwachung
Planung ohne Umsetzung bringt nichts. Viele erstellen umfassende Ruhestandspläne, wissen jedoch nicht genau, was nun zu tun ist. Die laufende Überwachung Ihrer Finanzen stellt sicher, dass Sie Abweichungen frühzeitig erkennen und gegensteuern können.
Monatliche Budgetkontrolle durchführen
Ihr Budget sollte nicht nur einmalig erstellt, sondern regelmäßig nachgeführt und geprüft werden. Sammeln Sie Belege und Notizen in einer Box und nehmen Sie sich einmal pro Woche Zeit, diese einzutragen. Mit einem Haushaltsbuch bleiben Ihre Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht. Veränderungen und Durchschnittskosten lassen sich so über einen längeren Zeitraum ermitteln. Eine Einteilung in monatliche und jährliche Kosten sorgt dafür, dass keine einmalig auftretenden Posten vergessen werden.
Anpassungen bei Veränderungen vornehmen
Das Budget stellt die Basis für alle weiteren Planungsarbeiten dar. Erst wenn feststeht, wie viel Einkommen Sie jeden Monat benötigen, können Sie die richtigen Entscheide fällen. Rechnen Sie konservativ und planen Sie lieber etwas höhere Ausgaben oder tiefere Einnahmen ein. Dies bewahrt Sie vor einem finanziellen Engpass im Alter.
Digitale Tools und Excel-Vorlagen verwenden
Der Budgetrechner von Swiss Life ermittelt Ihr Sparpotenzial und zeigt, wo finanzielle Spielräume bestehen. Mit Excel-Tabellen berechnen Sie, ob Ihre finanziellen Mittel für den Ruhestand ausreichend sind. Budget-Apps bieten unterschiedliche Funktionen und Benutzeroberflächen. Daher ist es ratsam, verschiedene Apps auszuprobieren, bevor Sie sich auf eine festlegen.
Professionelle Ruhestandsplanung Beratung in Anspruch nehmen
Eine professionelle Ruhestandsplanung umfasst Ihre Wohnsituation, Vermögenswerte und rechtliche Rahmenbedingungen. Versorgungslücken werden analysiert und strategische Gegenmaßnahmen entwickelt. Allerdings rät die Finanzaufsicht zur Vorsicht bei Immobilien-Teilverkäufen, die besonders Rentnern angeboten werden. Unabhängige Berater verkaufen keine eigenen Produkte und empfehlen Lösungen, die den größten Mehrwert bieten.
Fazit
Sie haben jetzt alle Werkzeuge, um Ihre Ruhestandsplanung erfolgreich anzugehen. Bedenken Sie allerdings, dass eine einmalige Berechnung nicht ausreicht. Überprüfen Sie Ihre finanzielle Situation regelmäßig und passen Sie Ihr Budget an veränderte Lebensumstände an.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, falls Ihre Rentenlücke größer ausfällt als erwartet. Bereits kleine Anpassungen bei den Ausgaben oder zusätzliche Einnahmequellen schließen diese Lücke Schritt für Schritt. Starten Sie am besten heute mit der Erfassung Ihrer aktuellen Einnahmen und Ausgaben.
Denken Sie daran: Ruhestandsplanung bedeutet Kontrolle über Ihre finanzielle Zukunft. Je früher Sie beginnen, desto entspannter genießen Sie später Ihren wohlverdienten Ruhestand.
FAQs
Q1. Wie viel Prozent meines letzten Gehalts benötige ich im Ruhestand? Im Ruhestand benötigen Sie etwa 80 bis 85 Prozent Ihres letzten Nettogehalts, um Ihren gewohnten Lebensstandard zu halten. Der früher oft genannte Richtwert von 70 Prozent gilt heute als überholt, da die Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Rentner konsumfreudiger leben als noch vor einigen Jahren.
Q2. Wie kann ich meine voraussichtlichen Ausgaben im Ruhestand am besten einschätzen? Am genauesten schätzen Sie Ihre zukünftigen Ausgaben ein, indem Sie Ihre Kontoauszüge der letzten drei Monate analysieren und alle regelmäßigen Abbuchungen erfassen. Teilen Sie Ihre Ausgaben in feste Kosten wie Miete und Versicherungen sowie variable Kosten wie Freizeit und Einkäufe ein. Berücksichtigen Sie dabei auch größere jährliche Posten und rechnen Sie diese auf monatliche Beträge um.
Q3. Was versteht man unter der Rentenlücke? Die Rentenlücke bezeichnet die Differenz zwischen dem Betrag, den Sie für Ihren Lebensunterhalt im Ruhestand benötigen, und Ihren tatsächlichen Einnahmen aus der gesetzlichen Rente und anderen Altersvorsorgen. Sie berechnen diese, indem Sie Ihren Finanzbedarf im Alter von Ihrem Einkommen aus allen Rentenquellen abziehen.
Q4. Welche Ausgaben steigen im Ruhestand typischerweise an? Im Ruhestand steigen vor allem Gesundheits- und Pflegekosten deutlich an, besonders mit zunehmendem Alter. Auch die Energiekosten erhöhen sich, da Sie mehr Zeit zu Hause verbringen. Zudem fallen in den ersten Ruhestandsjahren oft höhere Ausgaben für Freizeit, Hobbys und Reisen an, da Sie endlich Zeit für langesehnten Aktivitäten haben.
Q5. Wie oft sollte ich mein Ruhestandsbudget überprüfen? Sie sollten Ihr Budget regelmäßig überprüfen, idealerweise alle zwei bis drei Monate. Sammeln Sie wöchentlich Belege und tragen Sie diese in Ihr Haushaltsbuch ein. Durch diese kontinuierliche Kontrolle erkennen Sie frühzeitig Abweichungen und können rechtzeitig Anpassungen vornehmen, wenn sich Ihre Lebensumstände oder Ausgaben verändern.